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Warum Silvio Koch nun schweigt

Silvio Koch, Ministerpräsident in Hessen und brutalstmöglicher Lügner, Heuchler und Dummschwätzer Aufklärer noch vor Westerwelle, schweigt.

Noch vor wenigen Wochen, man erinnere sich, krakeelte und posaunte er durch die Republik und schlug auf HartzIV-Empfänger und Arbeitslose ein.
Das geschah zu jeder Zeit, als man nicht nur in Hessen sondern auch im Rest der Republik Diskussionen um die mafiösen Strukturen in und um Hessens Regierungsbande führte. Von gar schlimmen Fällen war da die Rede. Unliebsame Steuerfahnder, höchst erfolgreich und dem hessischen Staate jährlich millionenschwere Einnahmen wiederbeschaffend, aber mancher Klientel der regierenden CDU wohl zu unbequem geworden, sollen mittels erwünscht getürkter psychiatrischer Gutachten kalt gestellt und abserviert worden sein. Auch ein dubioser Fall in Justizkreisen Hessens schlug gar hohe Wellen der Empörung. Bis in höchste Regierungskreise reicht der schlimme Verdacht. In beiden Fällen. Besonders aber im ersten. Bis kurz vor Koch. Da ist eine unsichtbare Schutzwand, eine Grenze, die niemand übertritt. Dort endet stets ein jeder Verdacht. Und somit auch die Ermittlungen.

Nun war dem Silvio Koch die Sache, die Diskussion nämlich, weniger der Fakt der kriminellen Handlung, aber arg unangenehm geworden. Und er besann sich eines alten Rezepts aus früheren Wahlkampftagen: man suche sich ein schwaches Feindbild, auf das sich herrlich eindreschen läßt. Am besten das Feindbild Arbeitslose und HartzIV-Empfänger. Die haben nämlich, im Gegensatz zu Silvio Kochs Freunden aus der hessischen Finanz- und Unterwelt, keine Lobby und keine Beschützer.

Und so tat Silvio Koch das was er am besten kann. Er log und trog, er schimpfte und plärrte, machte ordentlich Krach und Radau, bis alle Welt ihm zuhörte und nur noch über den Betrug der HartzIV-Empfänger und Arbeitslosen redete. Und nicht mehr darüber, daß die hessische Regierungsbande kurz zuvor Steuerfahnder dienstlich beseitigen ließ. Weil sie zu erfolgreich waren und zu viel Geld zurück holten. Von den Leistungsträgern, die beschützt und geachtet gehören und sich gestört fühlten.

Auch die Summen, die des Betruges durch HartzIV-Empfänger, und die des Betruges durch Steuerhinterzieher und Schmarotzer mit heimlichen Auslandskonten, waren jetzt kein Thema mehr.

Silvio Koch sah, daß es gut war. Er hatte die Diskussion wieder erfolgreich auf einen anderen Weg gebracht. Weg von diesen kleinen aber lästigen Bagatellen um Steuerfahnder und Richterinnen in Hessen.

Dann kam sein Bruder im Geiste - Guido.
Guido, brutalsmöglicher Heuchler und Lügner nach Silvio Koch, hatte auch ein Problem. Diesmal diskutierte die Republik über verschwenderisch unsinnige Steuergeschenke für Hoteliers. Auch ein sehr unangenehmes Thema, das aus der Welt geschafft werden mußte. Da man Geschenke nicht mehr zurück nehmen darf und Hoteliers auch von etwas leben müssen, tat Guido das was Silvio am besten kann und Guido am zweitbesten: man eröffnet einen Nebenkriegsschauplatz und sucht sich ein einfaches und schwaches, aber wirkungsvolles Feindbild: Arbeitslose und HartzIV-Empfänger. Denn die haben, im Gegensatz zu Hoteliers keine Lobby. Außerdem müssen sie hinnehmen was man über sie beschließt und richtet.

Arbeitslose und HartzIV-Empfänger haben außerdem den Vorteil, daß sie quasi ohnehin schon im Grunde Verbrecher sind. Inzwischen haben neoliberale Dampfplauderer vom Schlage eines Olaf Henkel in unzähligen öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten getalkt und sich an Schmarotzertum und Betrug dieser Faulenzer abgearbeitet, haben fleißig dämonisiert und kriminalisiert, haben ihre Parolen immer und immer wieder heruntergebetet und dem Volke eingebläut, daß es unter diesen Kostgängern zu leiden hat, daß Arbeit nicht lohnt, weil die Kostgänger zu viel unterstützt werden (und nicht weil manche Arbeitgeber Mickerlöhne zahlen), daß es allen so schlecht geht weil es den Kostgängern so gut geht.


Der schrille Guido kennt all diese schlagkräftigen Argumente. Er kennt die Zahlen - seine falschen und die richtigen, und er weiß welche Wirkung Worte haben, wenn sie nur laut, schrill und oft genug vorgetragen werden. Wie vorteilhaft es ist, wenn eine Klatschkloake mit großen Buchstaben, zündenden Überschriften und wenig Fakten das Konzert der Lügner und Heuchler mit weiteren schrillen Tönen untermalt, sieht man dieser Tage. Seit Wochen arbetet sich auch Deutschlands größtes Schmier- und Lügenblatt BILD an HartzIV-Empfängern ab.

Guido ist die lästige Diskussion um Steuergeschenke für Hoteliers los. Und Koch die lästige Diskussion um Schweinereien in Hessen. Alle Welt redet nur noch über HartzIV-Empfänger und deren Ausplünderung des Volkes und Staates und Zerstörung der Gesellschaft.

Und deshalb muß Silvio Koch aus Hessen auch nichts mehr sagen.
Und der schrille Guido bald auch nicht mehr.
Die Schwachköpfe in den Redaktionsstuben der Klatschkloake mit großen Buchstaben, zündenden Überschriften und wenig Fakten spielen weiter laute Musik. Und die Herrschaften in Berlin sehen dringenden Handlungsbedarf für neue Gesetze und Kürzungen.

Und die kleine Bagatelle in Hessen und die Lapalie mit den Hoteliers wird auch bald vergessen sein.

19.2.10 23:05

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